Weiter Rekordexport: rechnerisch liefen 6 deutsche AKW für die Auslandsnachfrage

 
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08.04.2013

Strom: Weiter Rekordexport

Rechnerisch liefen im ersten Quartal sechs deutsche AKW für die Aus- landsnachfrage

Nach den neuesten Zahlen, die das Frauenhofer-Institut für Solare Energie- systeme (ISE) zusammengestellt hat, hat Deutschland netto im ersten Quartal die beachtliche Summe von 16 Milliarden Kilowattstunden elektrischer Energie ex- portiert. Das bedeutet ein weiteres Wachstums des Exports und ist auch insofern beachtlich, als der Winter hierzulande die Zeit des größten Verbrauchs ist.

Teilt man die netto ausgeführte Energie durch die Zeit, dann kommt man auf 7,4 Gigawatt Leistung, die durchschnittlich für den Export zur Verfügung gestellt wurden. Das bayerische Forum Gemeinsam gegen das Zwischenlager weist darauf hin, dass dies der Leistung von sechs Atomreaktoren entspricht, die somit, rein rechnerisch, ausschließlich für die Stromausfuhren liefen. Wie war das noch mal? Deutschland wird mit seinem Teilausstieg vom französischen Atomstrom abhängig?

Vergleicht man die Produktion des ersten Quartals 2012 mit dem zurückliegenden drei Monaten, dann zeigt sich, dass der Export vor allem durch mehr Kohlestrom produziert wurde. Solar- und Windstrom fielen hingegen etwas zurück. Zum einen weil es eher unterdurchschnittlich viel wehte und zum anderen der Januar einer der sonnenärmsten in den Aufzeichnungen des deutschen Wetterdienstes war.

Der Vergleich für die verschiedenen Erzeugungsarten im Einzelnen: AKW -0,9 TWh (Milliarden kWh), Braunkohle +3,1 TWh, Steinkohle +6,7 TWh, Gas -2,6 TWh, Wind -0,9TWh, Solar -0,5 TWh, Laufwasser -0,5 TWh. Der Kohlen- dioxidausstoß des Stromsektors ist also kräftig angestiegen. Wie bereits mehrfach berichtet, verdrängen die emissionsintensiven Kohlekraftwerke die emissionsärmeren Gaskraftwerke. Das ist nicht nur im Hinblick auf den Klima- wandel fatal, sondern auch, weil die Gaskraftwerke flexibler sind und viel besser zu einem wachsenden Ausbau von Solar- und Windenergie passen.

Eigentlich sollte ja die Ausgabe vom Emissions-Zertifikaten und der Handel mit diesen dafür sorgen, dass der Kohlestrom verteuert und somit seinen zu Lasten der Umwelt gehenden Konkurrenzvorteil verliert. Allerdings sind die Preise seit Monaten vollkommen ruiniert. Die EU-Kommission hat einen Vorschlag vorgelegt, das Angebot zu verknappen, um die Zertifikate zu verteuern und dem Instrument wieder die gewünschte Wirkung zu geben. Doch dieses Eingreifen wird von der Bundesregierung blockiert.

Das ISE hat auch die Statistiken für den Stand der Solar- und Windenergie bei der Bundesnetzagentur ausgegraben. Demnach waren Ende März 33,409 GW Solarleistung installiert, was einem Zuwachs von rund einem GW entspricht. Bei der Windenergie hat sich weniger getan, mutmaßlich durch den Winter bedingt, der die Bauarbeiten erschweren dürfte. Die Windleistung wird für Ende März mit 30,285 GW beziffert, wovon knapp 0,27 GW offshore waren. Die Statistiken des Bundesverbandes Windenergie sprachen allerdings schon Ende 2012 von einer Windleistung von 31,37 GW. Die Bundesnetzagentur war in der Vergangenheit wiederholt für ihre ungenaue Erfassung der Daten kritisiert worden.