Die „Sklaven“ der Atomenergie

 
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11. Juli 2012

Personal und administrative Führungskräfte

bestreiken das AKW Cruas in Südfrankreich

Perl/Montélimar (us) – Nach Informationen der französischen Gewerkschaft MZC, hat sich das gesamte Personal mitsamt den administrativen Führungskräften zusammengeschlossen und streiken seit Montagmorgen, den 11 Juli erneut vor dem Werkstor des südostfranzösischen Atomkraftwerkes Cruas bei Montélimar. Die Forderungen der Streikenden sind Dieselbigen wie bereits im April dieses Jahres, als die Arbeiter des Pariser Subunternehmers SPIE, die auch als Nomaden der französischen Atomindustrie bezeichnet werden, die Atomkraft- werke Cattenom, Fessenheim in Elsass und Cruas im Ardèche und die Anlage von Centraco in Gard bestreikten.

Die Streikenden forderten bessere Arbeitsbedingungen und Gehälter, vor allem weitaus bessere Sicherheitsstandards, die sie auch für die Bevölkerung in der Umgebung der Atomkraftwerke einforderten.

Die „Nomaden der französischen Atomindustrie“ so werden die Leiharbeiter des französischen Subunternehmers SPIE genannt, ziehen von Atomkraftwerk zu Atomkraftwerk, um höchst riskante Arbeiten in den 58 Atomreaktoren in Frankreich zu erledigen. Sie tauchen in Kühlwasserbecken – müssen jene Dekontaminieren, tauschen Brennelemente aus und erledigen Reparatur – und Wartungsarbeiten in stark strahlenden Zonen oder müssen irgendwelche Lecks mit Taucheranzügen reparieren.

Nach Berechnungen des staatlichen Forschungszentrum Inserm, bekommen die Leiharbeiter 80 Prozent der Strahlendosen in den AKWs ab. Sie werden mit niedriglöhnen abgespeist, müssen hoch gefährliche Jobs erledigen und wenn sie die jährliche Höchstdosis von 20 Millisievert erreicht haben, verlieren sie ihren Job.

„Nach unserem Erachten gefährden die Subunternehmer und Betreiber der Atomkraftwerke nicht nur die Gesundheit der Leiharbeiter, sondern auch die Sicherheit der Atomanlagen und somit auch die der Anwohner, so Ute Schlump- berger, Gründerin und Sprecherin der Bürgerinitiative Cattenom Non Merci. „Zweifelhaft ist auch, in wie weit und ob überhaupt die Leiharbeiter eine ausreichende Ausbildung haben oder eine gewisse Fachkompetenz nachgewiesen werden kann, um diese Arbeiten ausführen zu können, so Ute Schlumpberger weiter.

Schlussendlich bezahlen die Leiharbeiter der französischen Atomindustrie mit ihrer Gesundheit und sind meistens nach drei Jahren wegen den hohen gesundheitlichen – aber auch hohen Strahlen-Belastungen, ausgedient.

Dieses menschliche Dilemma findet jedoch nicht nur in französischen Atom- kraftwerken statt, sondern weltweit. Die Leiharbeiter halten ihren Kopf für die Profite der Subunternehmer, aber auch für die Betreiber der Atomkraftwerke hin.

Deswegen gibt es nur eine Lösung – Atomkraftwerke sofort abschalten. Und all Diejenigen, die nun der Meinung sind, dass sich sodann die Zahlen der Arbeitslosen abermals erhöhen werden, müssen sich darüber bewusst werden, dass auch Milchmädchen Rechnungen bezahlt werden müssen. Denn nach dem Abschalten der Atomkraftwerke müssen die Atomanlagen weiterhin gewartet werden und falls irgendwann ein Atommeiler abgerissen wird, mindestens 2/3 bis 3/4 der Arbeiter, auch Leiharbeiter weiterhin beschäftigt werden.

 

Hintergrund:

Die Unsichtbaren der französischen

Nuklearindustrie

Nathalie Roller 03.01.2012

Die „Sklaven“ der Kernenergie, die in den 19 Atommeilern ihre Gesundheit aufs Spiel setzen

Über 22 000 nukleare „Nomaden“ zählt das französische Atomstromland, welche nicht für den staatlichen Stromkonzern EDF arbeiten, sondern für Privatunter- nehmen, den „Sous-Traitant“ (Sub-Unternehmer). Diese privaten Nukleararbeiter ziehen von Atommeiler zu Atommeiler, um gesundheitsgefährdende Wartungs- arbeiten vorzunehmen – wie z.B. Brennstäbe an zu diesem Behufe vorüber- gehend abgeschalteten Reaktoren auszutauschen. Seit den 1980er Jahren hat die EDF nämlich den Dreh heraus: Man lagert die Risiken für offizielle EDF-Mitarbeiter ganz einfach aus und delegiert hochriskante Unterfangen – wie z.B. in die Ab- kühlbecken der Reaktoren zu tauchen – an Privatunternehmen aus. --> Mehr