AKW Biblis soll abgerissen werden

 
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/akw-biblis-rwe-plant-abriss-des-kernkraftwerks-a-832701.html

11.05.2012

Das Atomkraftwerk Biblis soll verschwinden: Der Energiekonzern RWE will den Abbau der stillgelegten Reaktoren beantragen. Damit scheint eine Versiegelung des AKW vom Tisch.

Biblis – Das stillgelegte Atomkraftwerk im südhessischen Biblis soll abgerissen werden. Vorprüfungen hätten ergeben, dass dieser Schritt einem sicheren Ein- schluss, auch Versiegelung genannt, vorzuziehen sei, teilte der Betreiber RWE am Freitag mit. Das Unternehmen kündigte an, bei der hessischen Genehmi- gungsbehörde den Abbau der Anlage zu beantragen. Die beiden Atomreaktoren Biblis A und B, 1974 und 1976 errichtet, waren im vergangenen Jahr nach dem Beschluss zum Atomausstieg endgültig vom Netz gegangen.

Der Antrag soll in der zweiten Jahreshälfte eingereicht werden. Eine ab- schließende Entscheidung über die tatsächliche Stilllegung könne es allerdings erst nach der Genehmigung geben, die „mehrere Jahre“ in Anspruch nehmen werde. Unabhängig von dem Antrag will RWE aber weiterhin die Rechtmäßigkeit der gesetzlich angeordneten Stilllegung des Atomkraftwerks prüfen lassen.

Nach früheren Prognosen könnte der von allen Landtagsparteien geforderte Rückbau 2016 beginnen. Das hessische Umweltministerium begrüßte die An- kündigung des Betreibers. „Dass RWE dem direkten Abbau den Vorzug gegenüber dem sicheren Einschluss gibt, ist ein wichtiges Signal“, erklärte Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU). Das Genehmigungsverfahren für den Rückbau des Atomkraftwerks werde voraussichtlich mehrere Jahre dauern.

Das AKW Biblis, das über zwei Reaktorblöcke verfügt, galt als eines der un- sichersten Atomkraftwerke Deutschlands. In einem im Mai 2011 veröffentlichten Bericht der Reaktorsicherheitskommission hieß es etwa, Biblis A und B hätten keinen „nachgewiesenen baulichen Schutz“ vor Flugzeugabstürzen. Auch in der Pannenstatistik des Bundesumweltministeriums tauchten die Biblis-Reaktoren weit vorn auf. Zuvor hatte ein ehemals in dem AKW beschäftigter Techniker über teils chaotische Zustände berichtet.

mbe/dpa/dapd