Trotz Eiseskälte kein Blackout – dafür
Stromexporte ins Atom-Land Frankreich

 
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7. Februar 2012

10 Monate ohne alte AKW: Trotz Eiseskälte kein Blackout

Trotz der extremen Temperaturen bleibt das deutsche Stromnetz weiterhin stabil. Erneut ist das Horrorszenario “Blackout”, vor dem Atomlobbyisten wegen der Abschaltung der Atomkraftwerke immer wieder warnen, ausgeblieben. Im Gegenteil exportiert Deutschland weiter Strom – zum Beispiel in das Atom-Land Frankreich.

Vor fast elf Monaten entschied sich die Bundesregierung kurz nach dem GAU in Fukushima für die Abschaltung der acht ältesten Atomkraftwerke in Deutschland. Vom Netz gingen damals nur sechs, denn Krümmel und Brunsbüttel standen seit 2007 reparaturbedingt still. Vor etwa sechs Monaten verankerte die Merkel-Regierung die Energiewende im Gesetz: bis 2022 sollen alle Meiler vom Netz.

Es waren vor allem die Chefs der Energiekonzerne, die schon kurz nach der Zwangsabschaltung flächendeckende Stromausfälle in Aussicht stellten. Pfingsten zum Beispiel wurde ein Blackout in Aussicht gestellt. Oder im Dezember. Ohne Frankreichs Atommeiler drohe ein Stromausfall in Deutschland: “Im Winter werden wir uns nicht auf diese Helfer verlassen können”, warnte RWE-Chef Jürgen Großmann. Die Stabilität der Netze gerate in Gefahr, so Johannes Teyssen vom Eon-Konzern. Die Financial Times Deutschland warnte mit Januar vor Stromausfällen im Rhein-Main-Gebiet wegen der Abschaltung der zwei Blöcke des AKW Biblis und in Hamburg, dass nunmehr allein am AKW Brokdorf hänge.

Nun ist trotz Rekord verdächtiger Kältegrade keine Stromengpässe in Sicht. Theoretisch könnte Deutschland sich an den meisten Tagen selbst versorgen. Doch es importiert auch Strom aus dem Ausland, weil dieser meist billiger ist als der aus alten deutschen Kohlekraftwerken.

“Die Lage ist angespannt, aber nicht kritisch”, sagt eine Sprecherin des Netzbetreibers TenNet. Einmal, aber noch vor dem Kälteeinbruch, griff TenNet auf eine Kaltreserve in Österreich zurück. Schuld war ein Block des AKW Gundremmingen, der unplanmäßig vom Netz musste weil Brennstäbe defekt waren.

Positiv auf die derzeitige Lage wirkten sich laut T-Net die vielen Photovoltaik-Anlagen im Süden der Republik aus. Laut der Energieagentur Saena aus Sachsen erzeugen die Sonnen- und vor allem Windenergieanlagen bundesweit aktuell etwa die zweifache Strommenge dessen, wie die Kapazität der acht abge- schalteten AKW betrug.

Laut eines Papiers des Bundesumweltministeriums sind die erneuerbaren Energien ausdrücklich ohne Schuld an möglichen Stromausfällen. “Horror- szenarien, nach denen die Stromversorgung zusammenbricht und die Preise explodieren, sind unseriös”, so eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums. Gerade mit Blick auf die extrem kalten Tage zeige sich, dass die erneuerbaren Energien Versorgungssicherheit schafften. Auch die Bundesnetzagentur attestiert Deutschland eine gesicherte Kraftwerksleistung. “Gerade die jetzigen Tage mit klirrender Kälte zeigen, dass die erneuerbaren Energien ihren Beitrag zur Versorgungssicherheit und Netzstabilität leisten”, sagte Umweltminister Röttgen heute den “Nürnberger Nachrichten”. “Wie bei der falschen Prognose höherer Strompreise hat sich auch die Prognose als falsch erwiesen, dass die Netze bei Kälte zusammenbrechen”.

Insgesamt zeigt sich, so eine Studie der Bundestagsfraktion der Grünen, das etwa drei Viertel der stillgelegten Atomkraftwerke durch entsprechende Strom- mengen im Inland ausgeglichen worden seien, davon auch ein guter Teil aus erneuerbaren Energien.

Und Deutschland exportiert sogar weiterhin Strom, besonders wenn der Wind stark ist. Laut der tägliche Übersicht des Verbandes der europäischen Übertra- gungsnetzbetreiber Enso ist Deutschland in diesen Tagen häufig Nettoexporteur von Strom. Während die Franzosen in diesen Tagen verstärkt zum Energiesparen angehalten werden, liefert Deutschland Strom dorthin. Unter dem Strich bleibt Deutschland ein Netto-Export von rund 6000 Gigawatt pro Jahr – trotz der acht abgeschalteten AKW. Zwar ist der Exportüberschuss nicht mehr so groß wie früher, nach Zahlen der AG Energiebilanzen exportierte Deutschland 2011 per saldo nur noch fünf Terawattstunden, 2010 waren es noch 17,7 Terawattstunden.

Auch die befürchtete Preisexplosion blieb aus. Der Strompreis ist am Markt über das Jahr 2011 wieder gefallen und hat sogar das Preisniveau zum Zeitpunkt der Fukushima-Katastrophe unterboten. Für 2012 sagt Tobias Federico, Chef von Energy Brainpool Berlin ein weiteres Absinken der Strom-Rohpreise um bis zu zehn Prozent voraus.

Trotz dieser Fakten lässt sich Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) zu einer langfristigen Prognose hinreissen: spätestens wenn 2015 mit Grafen- rheinfeld das nächste Atomkraftwerk abgeschaltet würde, sässe Bayern im Dunkeln. Sein Vorschlag: “Naturschutz darf nicht länger Vorrang haben”, denn ein Freund des deutschen Atomausstiegs war Zeil noch nie.

Quellen (Auszug): sueddeutsche.de, mainpost.de, freiepresse.de, dpa, focus.de, spiegel.de, dpa; 07.02.2012